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CD-DETAILS PHOENIX [DUBLEX INC.]

Dublex Inc.

Phoenix [Soul, Funk, R'n'B]


RELEASE: 18.09.2009


LABEL: Infracom

VERTRIEB: Groove Attack

WEBSITE: www.dublex-inc.com

Phoenix MySpace Amazon 

»Message In Our Music« - so heißt ein Song der Philadelphia Soul Band The O'Jays. Aber er könnte auch das Leitmotiv des neuen Albums der vier Stuttgarter DJs & Produzenten von Dublex Inc. sein. Denn »Phoenix« - so der Titel des Albums - ist ein klassisches Soul-Album geworden, das eine »Message« transportiert.

Allerorten dominieren »soulful sounds« die Clubs und Konzertbühnen der Welt. deren Darsteller nun Amy Winehouse, Raphael Saadiq oder Duffy heißen - Soul verbindet sie alle. Doch der Hipness-Faktor war nicht der Grund für unsere Vier, sich die gleichen Anzüge zu kaufen und ein Soul-Album aufzunehmen. Dublex Inc. wollen ungewohnte Wege beschreiten, wollen eine Botschaft vermitteln, wollen authentisch sein. Dabei haben sie sich mal eben neu erfunden - ganz wie »Phoenix aus der Asche«. Mit ihrer eigenen »Message«.

Den Durchbruch schaffte das Quartett bereits 2001 mit dem Club-Hit »Tango Forte«, der sie zu Co-Produzenten für den Sugababes-Hit »Round Round« machte. Das erste Album »Eight Ears« erschien drei Jahre später, Remixauftrag auf Remixauftrag folgte und sorgte für ein ausgebuchtes Dublex Inc. Studio. Das erklärt, warum es bis zum lang ersehnten Nachfolger etwas länger dauerte.

»Das Album ist aus unseren musikalischen Vorlieben entstanden«

»Phoenix« lässt die Herren und ihre Musik in einem hellen Licht erstrahlen. Es ist ein reifes Werk, welches die unterschiedlichen Einflüsse und musikalischen Vorlieben von Felix Stecher, Florian Pflüger, Rino Spadavecchia und Robin Hofmann aka Dublex Inc. ausgiebig miteinander vermengt und neu zusammensetzt. Dafür wurde so einiges in die große Referenz-Schublade geworfen: Ob Beat, Northern Soul oder Filmmusik - die Bezugspunkte sind vielfältiger geworden und der Wunsch, ein großes, zusammenhängendes Oeuvre zu schaffen, war stärker als bisher für die Arbeitsweise prägend. Just take the best of it und mische es mit einem gehörigen Quentchen Dublex Inc. Spirit und Sound. Das war die Devise, und heraus gekommen ist ein modernes Soul-Album bei dem die Retro-Falle nicht zugeschnappt ist.

»Wir wollten mehr Leben ins Studio bringen, wollten weg vom reinen Sampling«

Die Richtung war schnell festgelegt: Weg vom reinen Sampling, hin zum selber spielen. Gastmusiker sollten mehr Leben ins Studio bringen; diverse Sänger sollten die »Message« des Albums rüberbringen. Man ging in ein mit allerlei altem Vintage-Equipment ausgestattetes Studio und produzierte die Instrumental Tracks. Die Sänger wurden erst danach ausgesucht - auf zeitgemäße Art und Weise. Natürlich pflegen auch Musiker und Produzenten heutzutage weltweite Kontakte über das Internet. MySpace heißt das Zauberwort hier, eine Plattform, die in erster Linie der Selbstdarstellung und Promotion von Musikern und Bands dient. Doch fungiert und funktioniert sie auch als soziales Netzwerk zwischen Künstlern.

Im Falle von »Phoenix« spielte MySpace eine entscheidende Rolle im Produktionsprozess. Dublex Inc. machten sich auf eine aufwändige Suche nach möglichen Sängern. Und sie ließen sich Zeit, die richtigen Leute zu finden. Dass diese nun aus Jakarta, Berlin, London, Helsinki, Dublin und Madrid kamen, war überhaupt kein Problem, denn das WorldWideWeb ermöglichte den schnellen Austausch von Musik weit über Landesgrenzen hinweg. Gerade dadurch hat »Phoenix« diesen besonderen, diesen internationalen Flair, welcher dem Album hervorragend steht.

»Love Is The Message And The Message Is Love«

Ihre eigene »Message« - das war den Stuttgartern schnell klar - sollte »Phoenix« vor allem über die Textebene rüberbringen. Es galt, bestimmte Aspekte des Lebens anzusprechen - schließlich war man ja auch älter geworden, hatte mehr Erfahrungen gesammelt, wollte davon etwas abgeben. Das Album sollte Soul haben und dazu brauchten Dublex Inc. natürlich Sänger mit Soul in der Stimme. Sänger, die ihre eigene Lebenserfahrung in ihren Texten mit viel Seele und Gefühl niederschreiben konnten. Sänger, die vielleicht am gleichen Zeitpunkt des Lebens angekommen waren und ebenfalls ihre erste Bilanz ziehen konnten.

Wer diese Sänger sind? Beginnen wir mit Sandhy Son Doro, der bereits 2007 durch Stefan Raabs Casting-Show ein größeres Publikum in Deutschland fand. Der gebürtige Indonesier lebt seit vielen Jahren in Berlin und veröffentlichte 2008 sein Debütalbum. Dublex Inc. hörten den Mann, der wie Otis Redding und Wilson Pickett singen kann und kontaktierten ihn. Sandhy war sofort zur Zusammenarbeit bereit. Das Resultat, der Feel-Good-Song »Shine«, eröffnet das Album und ist zugleich die erste Singleauskopplung aus »Phoenix«.

»Shine« hat Soul, einen Beat der entfernt an »The Seed« von The Roots erinnert und eine ordentliche Portion Pop im Refrain. Wen wundert's, dass der Song im sonnigen Ibiza entstand? Musik im Urlaub und für den Urlaub geschrieben. »Shine« besitzt alle Zutaten um ein Sommerhit des Jahres zu werden. Noch sommerlicher klingt der Song im Remix der Dynamics, der die Stuttgarter flugs nach Jamaika verfrachtet und als Bonus auf der Single zu finden ist.

Aus Madrid kommt Mayka Edjole, die wir gleich auf zwei Stücken hören können. Die Dame kennt man vor allem als Frontfrau der Funk & Soul Band »The Sweet Vandals« mit denen sie seit ein paar Jahren durch die Welt tourt. Mayka veredelt »Rainy Day«, dessen Spät-Sechziger Flair mit Orgel und perlender Gitarre ein klasse Beispiel für einen Gute-Laune-Regen-Song abgibt.

Ashley Slater wurde vor allem als Sänger und Posaunist der Band Freak Power und deren Hit "Turn in Turn on and Cop Out" aus der LEVIS TV Werbung bekannt, die er zusammen mit Norman Cook alias Fatboy Slim gegründet hatte. Seine Posaune ist es auch, die dem Song »The Game« dieses leichte Dub-Feel verleiht, das die Specials nicht besser hinbekommen hätten. Doch Ashley schrieb auch den Text und sang ihn ein. »The Game« handelt von jemandem, der verlassen wurde, und der drauf und dran ist, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Mit einem Remix der Nürnberger Boozoo Bajou wird dies die zweite Single aus dem Album.

»It Takes Time« fesselt durch die Melodieführung in den Strophen, die aus der Feder der in London lebenden Bridgette Amofah stammen. Es geht um die Beziehung eines Paares, um das ständige Hin und Her, um die tägliche Arbeit und Zeit, die es braucht, um ein harmonisches Zusammenleben zu ermöglichen. Dramatische Streicher, dazu Bridgettes sanfte, tiefe Stimme im Refrain: »It Takes Time To Build Our Walls« - Mauern, die die Sängerin eben mal schnell mit ihrer bezaubernden Stimme einreißt.

Stee Downes kommt aus Dublin und verfasste mit »Changes« und »Something's Missing« gleich zwei wortgewaltige Beiträge. Stee konnte man jüngst auf seinem ersten Album für das Sonar Kollektiv Label hören, das von dem Berliner DJ und Produzententeam Jazzanova betrieben wird. Seine Stimme klingt cool. So auch bei »Changes«, dessen Piano mit seinem stoischen Anschlag den Wunsch und Drang nach Veränderung noch unterstreicht und verstärkt. »Something's Missing« ist ein rhythmisch komplexes Werk, bei dem Stee Downes sonore Stimme souverän über den leicht gebrochenen Beats schwebt.

Mit »Hell In A Handbag« haben Dublex Inc. zusammen mit dem finnischen Sänger und Keyboarder Tuomo ein Stück in der Tradition klassischer »Soul-Message-Songs« geschaffen. Er würde sich gut neben »(Don't Worry) If There's Hell Below We're All Gonna Go« auf Curtis Mayfields erstem Soloalbum machen. Auch hier sind die Aussichten recht düster: »This world is going to hell in a handbag« - was so viel heißt wie »im Handumdrehen ist diese Welt zur Hölle gefahren«. Tuomos Lösung: »Reach out for the ones you love« - suche die Liebe im Kleinen - bei deinem Mann, bei deiner Frau, in deiner Familie, bei deinen Freunden - that's S.O.U.L.! Tuomo jedenfalls hat seine 70er Jahre Soul-Lesson gelernt. Seine Stimme erinnert in diesem Stück sogar an Altmeister Curtis ohne jedoch ihren eigenen Charme zu verlieren.

Poppiger und leichter wird es bei dem nächsten Lied in dem eine gute Freundin der Band ihre Stimme erklingen lässt. Rosas charmant naiv gehauchter Mix aus Französisch und Englisch verleiht »Un Peu Mais Pas Trop« eine Lässigkeit, die sehr entspannend wirkt und dabei ein gehörig Maß an Pop-Appeal verbreitet.

Lasziv und mit einem an Barry White erinnernden Bassgebrummel beglückt uns Spoonface aus England im Sprechteil auf seinem Song »Unfold«. Der Song trägt ein mediterranes Flair in sich, das nach leben und leben lassen klingt. Doch Spoonface ist im Konflikt: »Should I let it go, should I let me go, should we let this go?« - trotzdem ein Song, bei dem man durchaus mal loslassen darf.

Dass es auch mal ohne Text zugehen kann, zeigen Dublex Inc. bei »Black Pearl« und »Rock Star«, den beiden einzigen Instrumental Tracks der Platte. Letzterer ein rasanter Ritt mit Bongos, Pauken und Orgel, der versehen mit einer gehörigen Portion Krimi-Geschmack und Suspense ein klarer Tanzgarant ist. »Black Pearl« hingegen ist Entspannung pur. Irgendwie klingt das von der Stimmung her ein bisschen nach Musik für einen italienischen Spaghetti-Western … aber keine Angst, hier wird nicht scharf geschossen.

Mayka Edjole schließlich hat die Ehre, »Phoenix« zu beenden. Es ist ein komplett neues Kleid, das ihr hier von den vier Herren für »My Thrill« maßgeschneidert wurde. Mayka trägt es allerdings vollkommen selbstverständlich. Ihr Gesang fühlt sich mehr als zuhause in den an Drum & Bass angelehnten Strukturen. Als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

Eine runde Sache, die 49 Minuten von »Phoenix« - ein Album, das aus musikalischen Freundschaften entstanden ist und viele echte Freundschaften geschaffen hat. Es beinhaltet keinen Masterplan zur Weltverbesserung, doch zeigt es Möglichkeiten, wie man in seinem direkten Umfeld anfangen kann, durch Freundschaften und Liebe, Dinge - vorerst - im Kleinen zu ändern. Und auch ein Album, das mit seiner Botschaft auch DEIN Freund werden wird. Das geht ganz schnell. Denn wie heißt es bei den O'Jays:

We got a message in our music
There's a message in our song
So open your ears and listen here!

(Quelle: Sven-Erik Stephan, Beatsinternational, 2009)


FORMAT: CD


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