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CD-DETAILS GOLDSTäNDER [B-TIGHT]


Foto: (c) Murat Aslan / Aggressives Aussehen

B-Tight

Goldständer [HipHop / Rap]


RELEASE: 31.10.2008


LABEL: Aggro Berlin

VERTRIEB: Universal


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Erst wenn die letzte Karre tiefer gelegt,
die letzte Felge verchromt und

der letzte Flachbildschirm verbaut ist,
werden die Menschen feststellen,
dass man einen Pimp nicht kaufen kann.

(alte Indianerweisheit aus dem MV)

Der Pimp ist eine der ersten glamourösen Figuren der afro-amerikanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Seit seiner Geburt in den Sechzigern ist er ein weiten Weg gegangen und konnte dabei sein Image stetig verbessern. Inzwischen erinnern sich nur noch die wenigsten an so Originale wie Iceberg Slim und verbinden das Bild vom Pimp eher mit seinen Epigonen wie Snoop Dog.

Im Laufe der Zeit entwickelte der Pimp ein gesünderes Selbstverständnis. Spätestens mit dem Aufstieg der HipHop-Kultur verwandelte er sich vom sozialen Outcast mit kriminellen Hintergrund in einen gesellschaftlich respektierten Lebemann. Heute ist die Figur so hoffähig, dass Pseudo-Pimps für Kinderschokolade werben dürfen. Trotz aller Bedeutungswechsel ist aber eins immer gleich geblieben. Der Pimp ist der Typ, der alles hat: die Frauen, das Geld, den ganzen Spaß. Und darum ist B-Tight der Pimp.

B-Tight aka Bobby Dick aka Robert Edward Davis hat die Kulturgeschichte im Schnellgang durchlebt. In Kalifornien geboren und in Berlin aufgewachsen, holte ihn ein Talentscout Mitte der Neunziger zurück nach Amerika, wo er auf der Highschool sein viel versprechendes Basketball-Spiel perfektionieren konnte. Nach dem verletzungsbedingten Ende seiner Profi-Karriere zog es ihn wieder nach Berlin. Zum Glück, denn hier trifft B-Tight auf Paul, heute besser bekannt unter seinem Künstlernamen Sido.

Nach anfänglicher Abneigung entwickeln sich die beiden zum Dream-Team. In den Anfangstagen hängen sie jeden Sonntag im Royal Bunker ab, um ihre Rap-Skills zu perfektionieren. Unter Aufbringung ihres ganzen Arbeitswillens können sie sich ein Vierspurtonband vom Mund absparen und beginnen damit, Tapes zu machen. Ihr Name A.i.d.S steht für Alles Ist Die Sekte und wie alle Sekten oder “Psychogruppen” verdanken sie ihren Erfolg einer Mischung aus Erlösungsversprechen, Glaubenssystem und vereinter Selbstüberhöhung.

Als es die Freunde endlich von der verpilzten Wohnung in Wedding auf die Bühnen dieser Welt schaffen, ist die Wandlung perfekt: Vom sozialen Outcast und Nobody haben sie es schon mal zum gemachten Rap-Star gebracht. Doch während Paul nur noch ein paar Einladungen zum karitativen Promi-Golfen fehlen, um sich als Sido endgültig gesellschaftlich respektiert zu fühlen, kultiviert B-Tight lieber den etwas sinnenfreudigeren Lebemann und verzichtet dafür auf jegliche Anerkennung. Er ist sich selbst genug. Er ist das Zentrum seiner Welt. Keiner rappt wie er, keiner kann ihm das Wasser reichen - sagt Sido.

In seinem größten Hit, “Ich bin’s”, bringt es der Ausnahme-MC auf den Punkt, wenn er rappt: “Ich regel mein Leben, ohne nach Regeln zu leben.” Bei aller Professionalität zeigt sich B-Tight in jeder Beziehung nonkonform. Wenn er dann so gar nicht dem Klischee des braven Afro-Deutschen gehorchen will und lieber als selbsternannter Neger-Neger Onkel Tom vor die Hütte scheißt, brennt auch schon mal die Luft. Da kann man nichts machen, da müssen die Leute durch: “Lange Nächte, lange Tage / was ich will, das kann ich haben / was ich will, das nehm ich mir / das hab ich aus der Gegend hier.”

Seine Sonderstellung im Rap-Zirkus wird musikalisch von einer außergewöhnlichen Stilvielfalt unterstrichen. Während andere versuchen, zum millionsten Mal mit demselben “Apache”-Break zu punkten, ist er schon längst woanders. Nichts macht das deutlicher als der Nachfolger von “Neger Neger”. Denn auf “Goldständer” verbindet der Berliner virtuos Rap mit allem, was ihm recht erscheint, sei es nun Electro, Nu Rave oder Drum’n’Bass. Das ist seine Definition von Wildstyle und dennoch trägt jeder Track seinen deutlichen Stempel. Das macht ihm so schnell keiner nach. Remember: “Keiner rappt wie er, keiner kann ihm das Wasser reichen...”

Obwohl sich B-Tight auch auf seinem neuen Werk gern selbst verarscht, wird “Goldständer” inhaltlich wie auch musikalisch als eine der feurigsten Unabhängigkeitserklärungen in die deutsche HipHop-Geschichte eingehen. Weiter raus hat sich bisher niemand getraut, weder die Pimps noch die Players. In B-Tight haben sie ihren Meister gefunden.

B-TIGHT live:
15.12.2008 Halle/Saale, Palette
17.12.2008 Köln, Essigfabrik
18.12.2008 Bochum, Matrix
14.01.2009 Jena, Rosenkeller
16.01.2009 Berlin, Columbia Club
17.01.2009 Chemnitz, Bunker
24.01.2009 Lahr, Universal D.O.G
25.01.2009 Saarbrücken, Garage
28.01.2009 Augsburg, Kantine
29.01.2009 Nürnberg, Hirsch
30.01.2009 München, Backstage
01.02.2009 A - Innsbruck, Hafen
12.02.2009 Hamburg, MarX
13.02.2009 Bremen, Ting!
19.02.2009 Kassel, Musiktheater
20.02.2009 Recklinghausen, Vest Arena
27.02.2009 Osnabrück, Rosenhof
28.02.2009 Lübeck, Rider`s Cafe

(Quelle: Universal Music Group, 2008)


FORMAT: CD Extra / Enhanced CD


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