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CD-DETAILS THE CHRONICLES OF A BOHEMIAN TEENAGER [GET CAPE. WEAR CAPE. FLY]

Get Cape. Wear Cape. Fly

The Chronicles Of A Bohemian Teenager [Rock / Alternative]


RELEASE: 16.02.2007


LABEL: Warner Music International

VERTRIEB: Warner Music Group

WEBSITE: www.getcapewearcapefly.com

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Neulich, bei einer Prügelei in einem Club im Southend, gingen Sam Duckworth viele Dinge gleichzeitig durch den Kopf. Zum Beispiel:
1) Warum hat dieser bekloppte Depp aus Essex ein Problem mit jedem, der nicht weißer
als weiß ist?
2) Ich hab hier einfach mein Ding gemacht und bin aufs Klo zum Pissen. Ich komme
aus dieser Gegend und bin halber Burmese – macht mich das gleich zu einem
willkommenen Opfer für besoffene Vollidioten?
3) Muss man die British National Party wieder ernst nehmen?
4) Hmmm [biff!], kann man daraus [bang!] einen Song machen [pow!]?

Ausgestattet mit der Fähigkeit schnell zu laufen, schaffte Duckworth es ohne schlimmere Verletzungen nach Hause. Und wie so oft nahm er seine akustische Gitarre, fuhr sein Laptop hoch und setzte sich hin, um einen Song zu schreiben. Glass Houses war das Ergebnis. Auf Ambient-Technobeats setzte er ein für seine damaligen Verhältnisse atemberaubendes Picking und sang mit schmetternder Stimme über Vorurteile, Heimat und das, was in Englands Gesellschaft so los ist. Auf seiner nächsten Mini-Tour – nur er selbst, seine Gitarre, sein Laptop, ein Rucksack und ein Bahnticket – spielte er Glass Houses, überarbeitete es und sang es mit hinreißender Leidenschaft. Ein weiteres GET CAPE. WEAR CAPE. FLY-Meisterstück war fertig.

GET CAPE. WEAR CAPE. FLY. Der Name allein wirft Fragen auf. Er stammt aus der Überschrift einer Computer-Gamer-Zeitschrift. Auch ein Versuch, um die Vorurteile herumzusteuern, die automatisch gestreut werden, wenn ein einzelner Mensch Songs schreibt – ein Songwriter nämlich, noch einer von dieser Sorte. Aber schließlich: wer kennt das nicht, das Bedürfnis in Notsituationen (etwa als Halb-Burmese auf einem Klo in Essex): Umhang holen. Umhang anziehen. Abfliegen.

Sam Duckworth ist 20. Er schreibt Songs, nimmt sie auf und spielt sie bei Auftritten – 140 Stück seit Januar 2005. Von Anfang an als GET CAPE. WEAR CAPE. FLY. Sam wuchs in Southend in Essex auf, woher auch sein persönlicher Held Billy Bragg stammt. Ihr solltet mal seine Version von A New England hören (leider nicht auf diesem Album) und dann seinen eigenen Song The Lighthouse Keeper, in dem er seine Hassliebe zur „fiesen Stadt“, die er „Heimat“ nennt, detailreich beschreibt. In seinen Teenie-Jahren spielte er in verschiedenen örtlichen Hardcore-Bands, und stellte dann fest, dass er mehr zu sagen hat, wenn er es alleine macht. Er ging auf eigene Faust mit Spontan-Equipment auf Tour über die Insel und brachte im Januar 2004 sein Smile als Split-Single (150 Expl, längst schon ausverkauft) heraus. Im April 2005 kam dann eine 5-Track CD Get Cape. Wear Cape. Fly. auf „Big Scary Monsters“ heraus (500 Expl, immer noch zu kriegen, wenn man weiß, wo man in England gucken muss).

Im Herbst 2005 trat er bei der „In The City“-Music Conference in Manchester auf – und ein schwer beeindruckter Huw Stephens von Englands renommiertem Sender Radio One bot ihm eine Session an. Anfang 2006 war es dann soweit: nach 18 Monaten herumfahren und einem ausgiebigen Repertoire aus als Agit-Folk/Emo-tronischen, verdammt catchigen Songs war das Interesse an diesem Mann mit dem ungewöhnlichen Namen voll entfacht. Im März letzten Jahres kam Atlantic und signte ihn. Dann ging es erstmal nach Austin, Texas, auf einige brillante Gigs: auf Barbecues, in Parkhäusern und in bester Nachbarschaft von Billy Bragg und Plan B auf dem SXSW-Festival.

Der heruntergefahrene Sound, die spärlichen Arrangements, das naturbelassene Flair von GET CAPE. WEAR CAPE. FLY: Warum? „Die Leute lassen sich schnell von Prätenziösität einfangen,“ erklärt Sam. „Als wenn Musik immer neu überarbeitet werden müsste. Warum? Kommunikation ist das, worum es geht. Eine Botschaft vermitteln. Denkt an Woody Guthrie und Billy Bragg! Nur weil ein Song eine einfache Melodie hat, besitzt er doch nicht weniger Bedeutung als irgendein überladener.“ Oder, wie er in Call Me Ishmael sagt, es ist wichtig, das Einfache zu würdigen. „Wir haben alle irgendwas, mit dem wir die negative Energie unserer Jobs kompensieren: Gitarre spielen, Skateboarden, Freitags trinken gehen. Eskapismus ist wichtig! Der Titel des Songs ist die erste Zeile von Melvilles „Moby Dick“. Der Song und das Buch sind ein Ruf zu den Waffen: mach das Leben lebenswert!“

The Chronicles Of A Bohemian Teenager sind eine Reihe von Songs, die er während seiner von-Gig-zu-Gig, vom-Sofa-auf-den-Boden, Hand-in-den-Mund, Bus-in-die-Bahn-Reisen quer durch England schrieb: Part One entstand in einem Zug Richtung Oxford und es wurde 50.000 Mal von Myspace abgerufen. Dieses und Part Two sind Reflektionen über das Dasein als einsamer Singer-Songwriter (wie Paul Simons „Homeward Bound“, das übrigens auf dem Bahnsteig von Wigan Station geschrieben wurde). „Es geht dabei auch um Gefühlsdinge, die einem dann so kommen. Wenn man auf der Reise Leute trifft und wie sie zu besten Freunden werden, weil man gemeinsam etwas durchmacht. Part 3 begann als Instrumental und endete als Call Me Ishmael. Part 4 wurde umbenannt und heißt auf dem Album (Luft holen): If I Had A Pound For Every failed Song Title I’ve Been 30 Short Of Getting Out Of This Mess. Was das bedeutet, wird er uns hoffentlich irgendwann erklären.

Im Sommer spielte er u.a. auf dem Martyrs of Tolpuddle-Festival, einem Event, das an die historische Revolte jener sechs Dorset-Landarbeiter erinnerte, die den Weg zur Gründung der Gewerkschaften ebnete. Davor, im Frühling 2006, spielte Sam auf dem Love Music Hate Racism-Konzert auf dem Trafalgar Square in London. Ist er etwa ein Protest-Songwriter?
„Ich bin ein paarmal so betitelt worden, aber ich fühle mich darin nicht wohl. Ich nutze jede Plattform, um auszudrücken, wie ich mich fühle. Aber musikalisch behindert dich dieser Stempel. Jeder Künstler, ist theoretisch ein Protest-Songwriter, wenn er es ernst meint und etwas zu sagen hat.“

Und? Ist jetzt alles anders, mit einem Millionen schweren Major-Deal in der Tasche? Wohl kaum. Duckworth spielte sein Debüt in seinem eigenen Studio in seinem Zimmer im Haus seiner Eltern und in einem alten Fabrikgebäude in Letchworth ein. „Es gibt da immer die Vermutung, dass sich alles ändern würde, wenn Du einen Deal mit einem großen Label hast, aber das ist nicht zwangsläufig so. Ich wollte das Album auf eine Art aufnehmen, die zu allem anderen passt, was ich tue,“ so Sam. „Mach es allein, gib keine 150.000 Dollar aus, hatte ich mir gesagt. Lass es das sein, was es ist. Keep it homegrown.“

(Quelle: Warner Music)


FORMAT: CD


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