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CD-DETAILS FAITHFULLY [KAE, JENNIFFER]

Kae, Jenniffer

Faithfully [Pop]


RELEASE: 16.05.2008


LABEL: Starwatch Music

VERTRIEB: Warner Music Group

WEBSITE: jennifferkae.de

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Jenniffer Kae konnte eher singen als sprechen. Eine kleine Konzertbühne, ein rummeliger Backstagebereich und der Bus, mit dem man von A nach B fuhr, waren für das niedliche Mädchen selbstverständlicher Lebensraum. Mama und Papa machten Musik und lebten davon. Nicht immer üppig, aber man war mit sich und seiner Familie im Einklang und kam über die Runden. Jenniffer konnte schon Instrumente bedienen und mit professioneller Geste das Mikrophon halten, bevor sie mit Messer und Gabel umgehen lernte. Sie wurde in ein Künstlerleben hineingeboren und kann sich heute, mittlerweile 20 Jahre alt, immer noch kein anderes vorstellen.

Die Mama hatte es in ihrer Anfangszeit nicht ganz so einfach, auf die Bühne zu gelangen, und man muss kurz von ihr erzählen, wenn man das Selbstvertrauen und die Entschiedenheit einschätzen will, mit der Jenniffer später ihren Weg zu einem der derzeit angesagtesten Produzententeams findet.

Teresa Maria wuchs in einem Dorf auf den Philippinen auf. Sie hatte 13 Geschwister und besuchte eine Klosterschule, um etwas Ordentliches zu lernen, so wie ihre Brüder und Schwestern auch. Die Nonnen dachten dabei bestimmt nicht an eine Karriere als Sängerin. Teresa aber schon. Sie gründete eine Mädchenband, und kaum war die Schule vorbei, schaffte sie es, irgendwie in die Staaten zu kommen. Energie und Einfallsreichtum ersetzten das nicht vorhandene Reisebudget. Die Anziehungskraft von Soul, Blues, Philly- und Motown-Sound überwog alle Schwierigkeiten. In den USA angekommen, nahm sie ihre Chance wahr und lebte das Leben einer professionellen Musikerin. Ein Angebot führte sie auf Konzertreise nach Deutschland. Sie tauchte in die landläufige Entertainment-Szene ein und unterhielt nicht nur ihr Publikum, sondern auch das Leben ihrer neu gegründeten Familie.
Jenniffer, und später ihre kleine Schwester Laura, sind zum einen genetisch vorgeprägt - und zusätzlich inhalieren sie alles, was mit Musik zu tun hat.

Die Familie reist immer der Musik hinterher. 16-mal ist Jenniffer umgezogen, doch immer mal wieder ist ein kleines Dorf unweit von Mainz die Drehscheibe für ihre Aktivitäten. Hier geht Jenniffer zur Schule, aber dem Unterricht folgt sie nur mit einem Ohr. Im anderen sitzt ein Kopfhörer-Earplug, verborgen unter ihrem langen Haar. Trotzdem ist sie eine gute Schülerin, engagiert sich als Klassensprecherin. Sie setzt sich bei Ungerechtigkeiten gegenüber Mitschülern ein und wehrt sich, wenn sie wegen ihres exotischen Aussehens angemacht wird. Nur um die Zeit zu überbrücken, schreibt sie sich nach dem Abschluss erstmal in eine fortführende Schule ein. Und langweilt sich dort ganz grässlich. Einen konventionellen Berufswunsch definiert Jenniffer gar nicht erst – sie hat andere Pläne.

Da ist sie gerade 16 und frei für erste Abenteuer. Zusammen mit ihrer Schwester, die es faustdick hinter den Ohren hat und über die bestimmt in absehbarer Zeit auch jemand Texte verfassen wird, erkundet sie die Welt. Ganz spontan. Nach dem Kino mal eben nach Paris. Eine Freundin hat Auto und Führerschein, Lust haben sie alle, Geld hat keine von ihnen, und trotzdem erleben sie Paris in vollen Zügen. Sie schlafen in der Jugendherberge oder auf der Wiese vorm Louvre. Oder mal eben nach Frankfurt, zu einem Konzert von Beyoncé. Tickets? Sind längst ausverkauft - und sowieso viel zu teuer für ihr Taschengeld. Aber wetten, dass die Mädels nicht nur hineinkommen, sondern sogar auf die Bühne und in den Backstagebereich dürfen? Jenniffer kann Augen machen, denen kein Security-Brocken widersteht. Besonders wenn es darum geht, ihren Idolen nahezukommen.

Szenenwechsel. Vom musikalischen Elternhaus in Königsau in ein Aufnahmestudio nach Vögelsen. Dort, in der Nähe von Lüneburg, hat Peter Hoffmann sein Studio, Urgestein in der deutschen Producerszene. Tokio Hotel ist bislang sein größter Wurf. Wenn er stolz ist auf diesen Erfolg, dann weiß er das lässig zu verbergen. Er ist ein ruhiger, branchen-untypisch besonnener Mann, der sich nicht gern wiederholt, der gern neue Sachen ausprobiert. Nach den Aufbaujahren für Tokio Hotel möchte er jetzt mit einer Sängerin arbeiten und hört sich um. Jenniffer Kaes Stimme hat sich in seinem Kopf festgehakt. Er lädt sie zum Vorsingen ein, und Jenniffer wird schließlich Teil der Studiofamilie. Hoffmann hilft ihr, ihren eigenen Weg zu finden. Der erfahrene Studiomann ist kein Freund von Schnellschüssen. Vier lange Jahre probieren sie musikalische Konzepte. Man versucht es mit deutschen Texten, aber ihr musikalisches Sprach- und Rhythmusgefühl ist eindeutig international geprägt. So sucht Hoffmann den Schulterschluss zu dem englischen Songschreiber- und Producerteam Steve Chrisanthou und John Beck, das mit Corinne Bailey Rae, Michael Bolton und Tasmin Archer gearbeitet und große Erfolge erzielt hat. Sie erkennen das stimmliche Potential der jungen Sängerin auf Anhieb, und eine intensive Zusammenarbeit beginnt, in der Jenniffer nicht nur den Part der Interpretin innehat. Von Anfang an wird sie in die Textarbeit integriert, und ihr Vertrauen in ihre eigene Fähigkeit, sich auszudrücken, wächst.

"Es gibt Dinge, die sich ansammeln, bis man fast platzt – und die sich dann über die Musik und meine Stimme einen Weg nach draußen suchen." Positive wie negative. Bewusst oder unbewusst. Es geht um Soul, keine Frage. Mit einem Spektrum, so breit gefächert wie die Schattierungen des Seelenlebens eben sind. Und mit einer Leichtigkeit, die sämtliche Schranken zwischen R'n'B, Gospel und 60er-Jahre-Nostalgie nonchalant aus den Angeln hebt. Jenniffer Kae kann das: Emotionen zu Klängen, Geschichten zu Songs werden lassen. Geschichten, die das Leben jeden Tag aufs Neue schreibt.

"little white lies zum Beispiel ist ein Song über die kleinen Beziehungslügen, die das Vertrauen zerstören und das ‚Wir' ersticken." Ein harter Schnitt ist an der Zeit, man muss Tschüss sagen können, bevor der Schmerz unerträglich wird. "little white lies" (Vö 9. Mai 2008) ist die erste Single-Auskopplung des Albums "faithfully" (Vö 16. Mai 2008), und wer nun erwartet, dass diese als niedergeschlagene Ballade daherkommt, kennt Jenniffer schlecht. "Na klar, ich singe auch über schwere Themen – aber ich kann ja nicht zulassen, dass sie mich erdrücken!" Sie singt den Song mit großer Energie – die Seele kann wieder atmen, das Herz geht auf.

Jenniffers Musik ist kein Kopfprodukt. Es wird geschrieben, wenn die Stimmung passt oder unverhofft eine Idee kommt – ob in England oder Deutschland, in Hamburg, London oder Königsau. Manche Songs wachsen und verändern sich über die Zeit völlig, es wird lange gefeilt, bis sie in ihrem hellsten Licht erscheinen. Und keiner weiß mehr so recht, wann sie eigentlich geschrieben wurden. Andere entstehen spontan in wenigen Augenblicken.

"An einem Studiotag kamen wir gerade nicht so richtig weiter, saßen im Garten des Studios und ich bot den Jungs einen Kaffee an. An diesem Tag hatte ich schon die ganze Zeit eine kleine, feine Melodie im Ohr. Und als ich zum Kaffeeholen schlenderte, summte ich dazu gedankenverloren das Wort Coffeecup – und das hat einer der Jungs gehört ..." Einige inspirierte, sonnenbeschienene Augenblicke später steht dieser federleicht groovende 6/8-Chorus, der sich unwiderstehlich sofort vom Gehörgang in den gesamten Körper ausbreitet. Die Geschichte der Frau, die jeden Tag im selben Café dem Mann ihrer Träume begegnet, sich aber bis zum finalen Happy End nicht traut, ihn anzusprechen, gibt die Stimmung dieses Tages perfekt wieder – ist aber frei erfunden.

So hat jeder Song seine eigenen Anekdoten, manche sind aus dem Moment entstanden, andere aus dem realen Leben gegriffen. "Trouble ist auf den ersten Blick eine Art Bonnie-and-Clyde-Story, mit Bläsern, Handclaps, großen Gospel-Chören und allem, was dazugehört – vor meinen Augen sehe ich bei diesem Song aber immer meine Schwester und all das, was wir zusammen angestellt haben. Liegt ja auch gar nicht so fern: Wir sind beide für uns allein schon nicht ohne, zusammen aber ..." Der Text bringt es wohl auf seine Weise gut auf den Punkt: We're bad for each other but better together.

Jenniffer singt mit einer unglaublich wandelbaren Stimme, die klanglich vor nichts halt macht. Aber ohne dabei jemals diese spielerische, mädchenhafte Art zu verlieren, die Jenniffer eigen ist – so paradox das klingen mag. "Es gibt natürlich viele Sängerinnen, deren unvergleichliche Stimmen, Gesangsstile und Techniken ich sehr bewundere und die meine Art zu singen unterbewusst prägen. Aber die sind so unterschiedlich wie Lauryn Hill, Natasha Bedingfield, Amy Winehouse oder Aretha Franklin." Und diese Einflüsse verbindet sie, selbstverständlich, ganz leicht. Je nach Seelenlage.

Schließlich ist es so weit, das erste Album "faithfully" liegt vor – und es wird kein Kaltstart werden: Drei von Jenniffer selbstgedrehte Clips kursieren auf YouTube und haben in Windeseile über 800.000 Clicks gesammelt. Die Fanbase wächst täglich.

Danach gefragt, was sie denn mit dem vielen Geld anfangen will, wenn sich der ersehnte Erfolg schließlich einstellt, strahlt Jenniffer: "Ich werde mit meiner ganzen Familie lange Reisen machen. Nach Hause, zur Oma auf die Philippinen. Oder nach Neuseeland. Oder gleich beides!"

Muss man ihr heute wirklich schon sagen, dass sie dann dafür wohl eher gar keine Zeit mehr haben wird? So hat sie dann eben einen neuen Traum, wenn ihre Sehnsucht, Sängerin zu werden, wahr geworden ist. Und wenn man um die Zielstrebigkeit einer Jenniffer Kae weiß, wird sie vielleicht sogar beides zusammen realisieren.

Bis dahin wird sie erst einmal viel und hart arbeiten müssen und sich auf die Musik konzentrieren. Wahrscheinlich ergibt sich dann alles Weitere von selbst.

(Quelle: Warner Music)


FORMAT: CD


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