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CD-DETAILS BESTE WELT/LTD.EDITION [FINKENAUER, PASCAL]

Finkenauer, Pascal

Beste Welt/Ltd.Edition [Deutsch RockPop]


RELEASE: 19.01.2007


LABEL: Supersonic/Gun Records

VERTRIEB: SonyBMG

WEBSITE: www.pascalfinkenauer.com

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Finkenauers Pascal kommt jetzt so richtig in Fahrt. Am 05.01.07 erschien die erste Singleauskopplung „Manchmal zwischen den Gebäuden“ (Supersonic / Gun Records / Sony BMG), am 19.01.07 folgt das Album „beste Welt,“ das famose Online Spiel wird ordentlich gezockt...

Wenn man genau sein wollte, müsste man sagen: Finkenauer ist ein Liedermacher. Ein schrecklich abgenutzter Begriff – und ihm genau deshalb „so sympathisch“. In Frankreich würde man Musik wie die seine einfach Chanson nennen und ihr damit und aufgrund der Ikonen der Vergangenheit die Coolness und Verwegenheit verleihen, die sie verdient. Hierzulande hat es das Lied an sich schwerer. Dieses eigentlich so feinfühlig kritische Metier wurde zu oft von einer überpolitischen, überromantisierten oder schlicht billigen Haltung besetzt. Das eigentlich Brodelnde, das Brisante, der Dreck ging verloren.
„Diesen Dreck wieder zu entdecken, diese Ehrlichkeit und Direktheit: Darum geht es mir“, sagt Finkenauer. „Wie konnte es passieren, dass ein so simpler, schöner Begriff wie ‚Lied’ so negativ besetzt ist? Warum muss man also ‚Song’ sagen, wenn man doch ‚Lied’ meint?“ Nun: Finkenauer schreibt Lieder – und dunkel sind die. Nur, um dann wieder hell zu werden – und damit die Kontraste zu feiern, die Brüche zu zelebrieren, Meinungen zu positionieren. Sie sind melancholisch wütend, feiern aber im selben Moment auf einnehmende Art die Dinge des Lebens. Ein Sänger im Roggen, der zugleich sucht und findet.

Dunkle, helle Lieder.

Wenn man genau sein wollte, müsste man sagen: Finkenauer ist kein Liedermacher. Er macht Popmusik – noch so ein unsinnigerweise negativ besetzter Begriff. Es ist Popmusik mit Melodien, die man sowohl betrunken in langen Nächten grölen, als auch im Zimmer still vor sich hinflüstern kann. Dabei mischt er traditionelle Liedformen mit Elementen, die eine junge Generation beeinflusst haben. Keine eingeschränkte Tradition kennen, Grenzen einreißen, mit Vorgaben und Erwartungen brechen, kurz: so ehrlich und selbst sein, dass es manchmal weh tut. So zappelt auf „Beste Welt,“ unter dem melodiösen „Hand in Hand“ ein nervöses Drum’n’Bass Schlagzeug, „Ratata - ich falle“ und „Schöne neue Welt“ poussieren mit Lateinamerikanischer Musik, „Geschrien“ kommt groß und gewaltig mit Streichern, während „Mittendrin“ oder „Hab ich dir schon erzählt?“ in den 80ern und dem Punk ihre Vorfahren finden.
Oder: Hip Hop. Zitate finden sich immer wieder, vor allem im schnell vorgetragenen Text, schon zum Debüt „Finkenauer“ so herrlich passend als ‚Tourette Rap’ beschrieben. Eine seltene Verbindung aus Worten eines klugen Kopfes und einem puren Bauch-, ja fast Rückenmarksgesteuerten Auswurf derselben. Dringlichkeit – ein Begriff, der sich beim Hören seiner Musik und Entdecken seiner kleinen, aber wichtigen Zeilen schier aufdrängt. Eine Dringlichkeit, die am Ende nur für eines steht: Authentizität. Denn Finkenauer ist es ein Anliegen zu berühren, zu erreichen, mitzunehmen auf etwas, das oberflächlich betrachtet höflich und lieblich klingt, dahinter aber mit enormen Untiefen und Fallstricken überrascht. Punkchanson, vielleicht?

Andeuten, nicht antäuschen.

Wenn man genau sein wollte, müsste man sagen: Finkenauer ist ein Poet. Die Texte – das vor allem setzt ihn von anderen „Liedermachern“ des Landes ab – lassen in ihrer Haltung und den surrealistischen Momenten genug Raum zum selber entdecken. Andeuten, nicht antäuschen. Da werden seltsame Bilder besungen, von Stein gewordenen Menschen, die ihre Stimme nicht finden, von verschlungenen Wegen und Gedanken, die Entscheidungen erschweren.
Popmusik, die sich im Grenzbereich befindet und gerne mal den Fuß über die Linie setzt, um zu schauen, was passiert. In „Manchmal zwischen den Gebäuden“, der ersten Single des Albums, erzählt er von jemandem, der in einer Stadt den Einkaufstüten auszuweichen versucht. Das sind solche Momente, die erst fremd klingen und dann zur Entdeckung führen, wie wahr es ist, weil man merkt, dass es in sehr belebten Straßen ist gar nicht so leicht ist, dem plastikverpackten Konsumwahn zu entgehen.

Wege: unergründlich. Fordern: gern.

Pascal Finkenauer wurde 1977 in der Nähe von Mainz geboren, zieht sechzehnjährig mit seinen Eltern aus dem spröden Rheinland nach Norddeutschland, in ein kleines 150-Seelendorf in der Nähe Lüneburgs. Dort wird er Sänger einer regional erfolgreichen Punk/Hardcore-Formation namens Exhaust. Seine Wurzeln, erste Gehversuche mit der eigenen Band, die Musik: verwirrend und progressiv. Experimentierfreude, die auch jetzt noch in seinen Stücken zu finden ist. Schon zu dieser Zeit sind die noch englischen Texte eher Poesie, der Gesang getragen, auf der Bühne ist alles oft wild, schweißtreibend – das ist bis heute so geblieben. Konzerte von Finkenauer fordern. Da entdeckt man neben den Balladen und Geschichten noch den Punk. Finkenauer säuselt, schreit und singt ergreifend, gerne auch inmitten des Publikums. Damals schon.
Ein angedachtes, aber nicht realisiertes Schulpraktikum in der örtlichen psychatrischen Anstalt endet in einem großen Tonstudio in der Nähe Lüneburgs, über die nächsten Jahre Anlaufstelle und kreativer Raum für weitere musikalische Versuche. Später, noch während des Abiturs, unterschreibt er als Sänger des mit Künstlerfreund JFSebastian neu gegründeten Elektro-Kollektivs JAW seinen ersten Plattenvertrag. Auf dem Debüt der Band „no blue peril“ setzt Pascal Texte in Altenglisch auf die programmierten Schlagzeuge seines Mitmusikers, was live mit Erschießungsszenen und Gedichtzitaten präsentiert wird. Großes Theater. Ein Kunstprojekt. Der Spaß an der Kunst ist auch heute noch Bestandteil von Finkenauer. Auf der Internetseite finden sich versteckt unter der üblichen kommerziellen Maske seltsame Kurzfilme und Texte. Nur suchen muss man danach.

Ende ist Anfang.

Wenn man genau sein wollte, müsste man sagen: Finkenauer ist ein Wanderer. Nicht dort festhalten, wo es nichts mehr festzuhalten gibt, sondern aufbrechen: zu neuen Ufern, neuen Stilen, Gedanken, Ansätzen. Und so lösen sich, der damaligen Regression des Musikgeschäfts entsprechend, JAW nach einem nie veröffentlichten zweiten Album auf. An ihre Stelle tritt die gnadenlos LoFi orientierte Punkband The Black Cherries in identischer Besetzung und mit einem sich Stimmbänder und Finger blutig schrammelnden Pascal Finkenauer am Mikrofon. Das Album wird Platte des Monats im Spex Magazin. Ein Ausflug in Vorlieben.
Aber dieses Album ist nicht das einzige, was Pascal in dieser Zeit kreativ umsetzt. Freie Nächte im Studio nutzt er, um im Alleingang sein Debutalbum zusammenzubauen. Zum ersten Mal probiert er sich an deutschen Texten, mixt am Computer verschiedenste Stile zu einer Platte, die moderner Pop ist und mit experimentellen Texten über die Zweisamkeit spielt. Der Anfang von Pascal Finkenauer als Solokünstler – Finkenauer.
Die Platte bleibt trotz guter Kritiken ein Geheimtipp. Zieht im Stillen seine Runden. Auch die Jungs von Fettes Brot bekommen sie in die Hände und fragen, ob Pascal Lust hätte, auf einem Lied für ihr neues Album zu singen. Aus dieser Zusammenarbeit folgt das Lied „An Tagen wie diesen“, das Platz neun der Charts erreicht und Finkenauer einem breiteren Publikum näher bringt. Pascal begleitet Fettes Brot auf ihrer kompletten Tournee als Gastsänger und Musiker. Die Öffentlichkeit beginnt zu begreifen.

Beste Welt,

Anfang 2006 beginnt Finkenauer im Studio mit der Fertigstellung seines neuen Albums in Hamburg. Über lange Zeit hat er an der Idee der Musik gebastelt, in seinem Zimmer Lied um Lied geschrieben und Teile zusammengesetzt, ähnlich dem ersten Album. Diesmal aber soll alles wärmer klingen. Um den Stücken mehr Liveatmosphäre zu geben, lädt er Musiker ins Studio ein, um mit ihnen die noch digitalen Ideen umzusetzen, als Mitroduzenten verpflichtet er Marco Fabian Bunk. Swen Meyer, Produzent von Tomte und Kettcar, mischt die Platte. Ein gutes Team.
Nach sechs Monaten durchgehender Arbeit sind die Aufnahmen abgeschlossen. „Beste Welt,“ heißt die Platte, mit einem Komma dahinter, weil es keinen Raum lässt für ein Frage- oder Ausrufungszeichen. Das Komma symbolisiert: Es geht weiter, dahinter kommt mehr. Das Dahinter: Ein zentraler Antrieb für Finkenauer. Denn das Vorne, das bedienen sie alle, es ist nicht interessant. Finkenauer weiß: Auch das noch so Offensichtliche bietet Hintergründiges, kann tiefer erschlossen werden. Darum geht es, hier setzt er an. So ist „Beste Welt,“ wie ein sehr flexibel klingendes Buch der Ansichten und Einsichten, der Gedichte und Geschichten.
Zwölf Lieder, voll von Surrealem und Schönem, ergreifenden Momenten, immer getragen von Finkenauers Stimme. „Ein gerader Strich ist das schwierigste am Zeichnen“ singt er im letzten Stück „Verschlllungen“. Tatsächlich, wenn man es ausprobiert, freihändig, ohne Stütze, ist es so gut wie nicht machbar. Aber wer will auch schon den geraden Strich? Schon der erste Song auf seinem Debüt-Soloalbum hieß: „Wir schreiben die Gedichte neu“. Bitteschön: Hier sind sie, die neuen Gedichte für eine neue Generation, die es sich zutraut, tiefer und dahinter zu blicken. Es ist gar nicht schwer, man muss es nur zulassen.

Wenn man also ganz genau sein wollte, müsste man sagen: Finkenauer ist Finkenauer. Eigentlich.

(Quelle: Verstärker, 10.1.2007)


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