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CD-DETAILS POROROCA [SCHWEISSER]

Schweisser

Pororoca [Hard / Heavy]


RELEASE: 25.08.2006


LABEL: Südpol Records

VERTRIEB: Alive!

WEBSITE: www.schweisser.org/

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DER TITEL : POROROCA – "großer Lärm" (In der Sprache der Tupi)

Die Pororoca, auch Amazonaswelle genannt, ist eine den Amazonas hinauf laufende Tidenwelle.

Im Frühjahr, wenn der Amazonas am Ende der Trockenzeit sehr leer ist, trifft das Wasser des Amazonasflusses auf die steigende Flut im Ozean. Bei Voll- und Neumond werden 2 mal am Tag riesige Wassermengen im Meer, die sich bis zu einer Höhe von vier Metern aufbauen, in die Mündung des Amazonas hineingedrückt, wodurch eine Springflut entsteht. Diese Riesenwelle rollt gegen die Strömung mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Kilometer pro Stunde und richtet dabei große Schäden an. Durch das geringe Gefälle des Stroms dringt sie bis zu 500 Kilometer weit ins Landesinnere ein. Das Grollen, welches die Ankunft der Welle ankündigt, wird von den Indianern Pororoca genannt, was übersetzt "großer zerstörerischer Lärm" bedeutet. Seit neuestem zieht die POROROCA immer mehr Surfer an, die auf ihr kilometerweit Flussaufwärts reiten.
(Quelle: Wikipedia)

Die "Pororoca" eine reißende Welle mit furchtbarer, verheerender Mächtigkeit hinterlässt vielerorts nur Verwüstung, ist aber gleichzeitig für den, der es versteht auf ihr zu reiten ein Weg, weit ins Innere zu gelangen. Ein wunderbares Gleichnis für die Musik des neuen SCHWEISSER Albums.

Zu esoterisch? – Dann klingt der Name halt einfach nur gut, klingt nach Rock und hat viele rrrrolllende RRRRRs – Haha.

DIE MUSIK – ZU LAUT? ZU LEISE?
Wie es das Artwork schon ankündigt, klingt auch die Musik: roh, rau, grob, ungeschliffen. Direkt und ungeschminkt poltern die SCHWEISSER in neuer Besetzung durch die elf Stücke des Albums. Mit mächtig Wut, rotzigen Gitarren und jeder Menge Mutterwitz spielen Sie mit Zitaten, Reminiszenzen an alte Metal Idole und der Erwartungshaltung der Fans aus zwei Dekaden. Die durften schon einige radikale Musikalische Kursänderungen verdauen. Aber dieses mal dürften vielen die Freudentränen ins Gesicht steigen.

Der Sound kommt erdig daher. Eher holzig-warm, als Industrialartig kalt. Eher Groove als Marschmusik, und erinnert hier mal ein bisschen an alte Motörhead, da mal an alte Iron Maiden (mit Paul Di’Anno als Sänger), dort mal an Hardcore, an Einstürzende Neubauten oder an New Wave. Gemeinsamer Nenner: Rock! Alles ist echt gespielt, mit echten analogen Instrumenten, viele First Takes, viel Gitarren und als Schmankerl sogar ein Saxophonsolo von Jazzgröße Johannes Enders. Das Album verweist auf die glorreiche Vergangenheit und zeigt Wege auf in die Zukunft...

Spontan und schlau. Emotional und ehrlich. Groß im Mut zum Kleinen. Musik, die man einfach und überall mit drei, vier Menschen live spielen kann. Ein Zeichen in Zeiten in denen 80% aller Bands live nur noch zu ihrer eigenen Musik von der Festplatte ein bisschen dazu schrammeln.

In Zeiten von Postelektronik, Posthardcore und Postnewmetal ein entschlossenes Statement gegen den Rüstungswahnsinn Hollywoodartiger zwei Jahres Produktionen, die mit Soundgebirgen letztlich nur die Belanglosigkeit x-beliebiger Riffhäufen kaschieren wollen. Gegen bombastisches High High High Fi, produziert mit einem Etat, der dem Bruttosozialprodukt eines Dritte Welt Landes entspricht, um dann letztendlich doch nur als zwei Ton Gedüdel auf einem Handy zu enden. Die Zeiten der großen Tonstudios sind vorbei. Heute genügt ein Laptop und ein paar gute Ohren/eine Vision um Musik auf Tonträger zu Bannen. Punk, Underground, Re-Demokratisierung der Rockmusik: SCHWEISSER holen sich das Recht auf Rock zurück.

Hier gibt es echte Lieder von echten Menschen und man hört in jedem Takt das dringende Bedürfnis heraus, etwas vermitteln zu wollen. Hier geht es um Songs und um Botschaft, die man stark vereinfacht zusammenfassen kann unter dem Motto: "Lass dir nicht alles gefallen!" Ein Statement so simpel, wie selten gehört in unserer Zeit der Frickelkönige und Programmierer, der Castingkasper und Frontkinder für Industrialisierte Hitmaschinerien.

Sicher kein Mainstream, definitif kein Top of the Pops. Aber dafür ein herzliches Fuck You in Richtung Majors, die sich in Ihrer Gier Anfang des Jahrtausends mächtig verschluckt haben und heute nicht entblöden, ihre hektisch zusammengehamsterten Artist-Portfolios tot zu klagen statt etwas für Ihre Künstler zu tun. (Siehe hierzu auch: "DER PROZESS")

Gewiss kein täglich Metalbrot - eher ein Schmankerl für Genießer und trotzdem einfach nur voll auf die Glocke.

Im Gegensatz zu vielen Bands, die einfach denselben Song zwölfmal hintereinander in leichten Variationen aufnehmen, bekommt hier jede Geschichte, jeder Text sein eigenes Lied und jedes Lied sein eigenes Soundkonzept/seinen eigenen Sound. Gerade diese Kontraste schaffen jedem Stück seinen eigenen Platz verstärken die Wirkung der einzelnen Lieder. Gerade die Unterschiedlichkeit macht das Album zu einem homogenen Hörerlebnis, bei dem nicht schon nach der dritten Nummer Langeweile aufkommt, sondern bis zum Ende Überraschungen und Ideen für Unterhaltung sorgen.

DIE TEXTE
Gereift und nicht gealtert. Besser denn je. Wunderbar konkret und trotzdem genug Freiraum für den Hörer um seine ganz persönlichen Geschichten darin wiederzuerkennen Böck kotzt sich mal wieder so richtig aus und man spürt ganz deutlich hier hat jemand eine Stinkwut -eine schöne Weise seine Enttäuschungen zu verarbeiten.

Poesie der Straße statt Germanistikstudentengenöle. Brachial aber nicht blöde. Vordergründig klare Botschaften, aufrichtig, ernst und leicht zu verstehen, doch immer mit Geist, Humor und Tiefgang. So dass sich auch genaues Hinhören durchaus lohnt. Viele verschiedene Textkonzepte statt eindimensionaler Reim-dich-oder-ich-fress-Dich Lyrik. Worte und Musik zahnen ineinander, geben einander Bedeutung, statt einfach nur dahingesungenen Standardphrasenquatsch wieder zu käuen.

VERLEGT UND VERLOREN
Seit drei ein halb Jahren führt der Musikverlag EMI Publishing einen bizarren Rechtsstreit gegen Thomas Böck. Dabei muss sich der Künstler gegen eine Flut von unhaltbaren Vorwürfen und Forderungen erwehren, und um sein Recht kämpfen, seinen Vertrag erfüllen zu dürfen. Details liefern wir gerne nach.

Da Böck bereits in der ersten Instanz in allen strittigen Punkten Recht bekam, drohte der Weltkonzern gleich zu Beginn der zweiten Instanz dem Richter "Es ist uns egal, wie Sie entscheiden, wenn wir nicht UNSER Urteil bekommen, gehen wir auch vor den Bundesgerichtshof".

Es soll ein bundesweit geltender Präzedenzfall geschaffen werden um mit "Ihrem" Urteil sämtliche Autoren, die nicht recouped (den Vorschuss eingespielt) haben zur Kasse zu bitten, obwohl dieses nicht in den Verträgen beinhaltet ist.

DAS ARTWORK
Nach einem Holzschnitt von Klevisson Viana – Fortaleza – Ceara – im August 2005 für den Gedichtband „A chegada de lampiao no inferno“(*) aus der "Literatura de Cordel" Reihe von Tupinanquim Editora. (*: Übersetzt ca. "Wie Lampiao zur Hölle fuhr". Lampiao ist das historisch verbürgte brasilianische Gegenstück zu Robin Hood – oder Räuber Kneissl, und in der Geschichte wollen die Teufel den Herren Räuber nicht in die Hölle lassen, weil er zu viel Stress macht...)

DIE BAND
DIE GESCHICHTE
"Metal mit deutschen Texten? - Das klingt ja ganz nett, aber wer soll das kaufen?"
(Ein A&R Manager zum SCHWEISSER Demo 1993)

SCHWEISSER – das sind 6 Alben, 7 Videos, 1000 Konzerte quer durch Europa, Platte des Monats im Metal Hammer, Newcomer des Jahres 94 ebendort, erster deutschsprachiger Act auf MTV Headbangers Ball, erster deutschsprachiger Act Dynamo Festival, bester deutscher Video auf VIVA Metalla, Chartplazierungen, und genauso wie Oomph Türöffner einer ganzen Generation von Bands.

1986 - Gegründet Mitte der Achtziger, um dem drögen Sozialpädagogenrock und dem schmierigen Mainstream dieser Epoche laut und rotzig entgegen zu treten. Immer weiter entwickelt, um eine für deutschsprachige Bands nie da gewesene Härte in Text und Musik zu erschaffen. Eine Musikalische und Textliche Kraft, die es vermochte Menschen durch die dunkelsten Stunden Ihres Lebens zu begleiten. Eine Wut gepaart mit Lebensmut die vielen Fans half, weiter zu machen, weiter zu leben, oder einfach nur mächtig Spaß auf den Konzerten zu haben. Immer bereit, sich selbst in Frage zu stellen, selbst zu zerstören und neu zu definieren.

2000 der Split, gekoppelt mit dem Versprechen, nie wieder zusammen zu Musizieren. Die Musiker widmen sich anderen Projekten, der Texter übt sich im Schreiben für andere Formate.

SCHWEISSER – ein Stück Musikgeschichte ist Geschichte? Nicht ganz.

2005 das gehaltene Versprechen: Keine rührselige "Wir haben uns wieder lieb" –Posse, keine "Wir können uns nicht mehr ausstehen, brauchen aber die Kohle" –Reunion.

Böck macht weiter. Nach Jahren des vorsichtigen Annäherns haben sich drei Musiker gefunden, die bereit und fähig sind, das schwermetallische Erbe nicht einfach nur "nachzuspielen", sondern ganz im ursprünglichen Geiste auf zu greifen, neu zu beleben und weiter zu entwickeln.

In nur vier Tagen werden 13 Stücke komponiert und aufgenommen. Klassisch im unbeheizten Kuhstall am Ammersee. (Sechs davon sind jetzt nahezu unverändert auf dem neuen Album zu hören.) Als das letzte Stück abgemischt ist, finden sich kurz die Blicke der drei Musiker und eine unausgesprochene Gewissheit schwebt im Raum: "Das rockt".

2006 Nägel mit Köpfen: Ein Monat Studio, noch mal fünf neue Songs, ein Schnappschuss fürs Booklet und das neue Album "POROROCA" erscheint.

DAS NEUE LINE UP
Thomas Böck: Stimme, Gitarre
Das Einzige Urmitglied von SCHWEISSER, damals wie heute der Texter, Hauptkomponist, Querdenker und "mit viel zu wenig Mittelfingern geboren" – um hier mal Marilyn Manson zu zitieren. Verspürt das dringende Bedürfnis sein Lebenswerk fort zu setzen und freut sich ganz besonders, endlich mal wieder selbst auf der Bühne in die Saiten zu greifen.

Martin Messerschmid: Schlagzeug
Der alte Banknachbar aus Schulzeiten besuchte schon vor 20 Jahren gemeinsam mit Böck leidenschaftlich gern Slayer- und Motörheadkonzerte. Zog es dann aber vor, The Notwist mit zu gründen. Hat durch seine Mitarbeit bei Bolzplatz Heroes seine Liebe zu echten Trommeln wiederentdeckt und freut sich ganz besonders, endlich mal wieder richtig auf die Pauke zu hauen.

Fabian Exter: Gitarre, Bass, Gesang
Aufnahmeleiter und Musikalischer Direktor. Manisch genialischer Jungspund vom Ammersee, aufgewachsen im Spannungsfeld zwischen Jimi Hendrix und Aphex Twin. Hat neben seiner Mitarbeit in diversen Metal-, Dub- und Elektronikkapellen schon einige Indie- und Metalbands in seinem eigenen Studio produziert und arbeitet beständig an seinem Projekt Junoto. Konnte bei den Live Auftritten von SCHWEISSER bereits die wohltuende Wirkung des herzhaften Rumbrüllens erfahren.

Tommi Böck

(Quelle: Another Dimension, 3.7.2006)


FORMAT: CD


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