ROCKREPORT
KÜNSTLER SUCHEN


GENRES

STÖBERN


CD-DETAILS THAT LUCKY OLD SUN [WILSON, BRIAN]

Wilson, Brian

That Lucky Old Sun [Rock / Alternative]


RELEASE: 29.08.2008


LABEL: Capitol

VERTRIEB: EMI Music

WEBSITE: www.brianwilson.com

MySpace Amazon 

"You don't have to climb the Capitol tower
Or play the Hollywood Bowl
If there's a roll in your heart
And a rock in your soul" ("California Role", Brian Wilson)

Eine Legende kehrt zurück - Brian Wilson. Er kehrt zurück zu Capitol Records, zum markanten Capitol Tower, und damit an jenen Ort, an dem seine faszinierende Karriere begann. Und er kehrt zurück mit einem komplett neuen Studio-Album, "That Lucky Old Sun" (VÖ: 29.08.), das schon im Vorfeld als meisterliches Spätwerk gefeiert wird. Brian Wilson hat mit den Beach Boys auf dem Capitol-Label Pop-Geschichte geschrieben. Was die Beatles in den 60ern für Europa waren, das sind die Beach Boys für Amerika: Die einflussreichste und wichtigste Pop-Band ihrer Zeit. Brian Wilson war der kreative Kopf: Sänger, Komponist, Arrangeur, Produzent und Visionär. "Pet Sounds", sein Meisterwerk aus dem Jahr 1966, gilt (neben "Sgt. Pepper" von den Beatles) noch heute als eines der besten Pop-Alben aller Zeiten. Dass er an dem Folgewerk "Smile" schließlich scheiterte, jenem legendenumrankten, berühmtesten nichtveröffentlichten Album überhaupt, lag teils an seinen eigenen hohen Ansprüchen, teils an dem Widerwillen der Band, sich noch weiter vom Erfolgsrezept der frühen Surf-Hits zu entfernen. Doch auch sein ausufernder Drogenkonsum und die damit einhergehende psychische Labilität führten dazu, dass sich Brian Wilson immer mehr zurückzog, bis die Beach Boys ohne ihre einstige Leitfigur weitermachten.

Brian Wilsons Solokarriere hat erst in den letzten Jahren richtig Fahrt aufgenommen. Zwar hatte er 1988 ein erstes Soloalbum veröffentlicht (das unter dem starken Einfluss seines umstrittenen Psychiaters Dr. Landy entstanden war, von dem er sich später trennte), 1995 gemeinsam mit Van Dyke Parks den Longplayer "Orange Crate Art" und 1997 mit seinen Töchtern Carnie und Wendy das Album "The Wilsons" aufgenommen, doch auf große Resonanz stieß er erst nach der Jahrtausendwende, als er in bestechender Form mit einer Live-Version von "Pet Sounds" auf Tournee ging. Als er dann im Februar des Jahres 2004 in der Royal Festival Hall von London sein verschollenes Meisterwerk "Smile" live inszenierte, waren Fachwelt und Fans endgültig hin und weg. "Unser angeschlagener Held - der hippste unter den Rocklegenden der ersten Generation, weil er zur Verwirklichung seiner Träume am weitesten ging - ist stimmlich besser drauf als man es sich zu erhoffen wagte. (...) Hat seine Teenage-Symphonie an Gott drei Dekaden der Spekulation und Psychodramen überlebt? Ja. Sie ist überwältigend. Eine futuristische Pop-Collage. Ein Mosaik für eine neue Gesellschaft." (Uncut) Im selben Jahr veröffentlichte er gleich zwei Alben, das mit Gästen wie Paul McCartney, Eric Clapton und Elton John aufgenommene "Gettin' In Over My Head" und das umjubelte "Brian Wilson Presents Smile", das ihm für "Mrs. O' Leary's Cow (Fire)" in der Kategorie "Best Rock Instrumental" seinen ersten, längst verdienten "Grammy" einbrachte.

Nun also "That Lucky Old Sun", ein weiteres Konzeptalbum in der bewegten Saga des Brian Wilson, das er live bereits im letzten Jahr in der Royal Festival Hall in London und Anfang dieses Jahres im Rahmen eines Festivals in Sydney präsentierte und für das er glänzende Kritiken erhalten hatte. Es ist das Ergebnis einer "kreativen Explosion", wie er es nennt. Der Titelsong stammt aus dem Jahr 1949, komponiert von Beasley Smith und getextet von Haven Gillespie. Es war die Version von Louis Armstrong, an der Brian Wilson einen Narren gefressen hatte, sodass er im letzten Jahr die Songrechte erwarb. Es bildet nun den musikalischen Aufhänger für eine grandiose Suite, in der alle Songs nahtlos ineinander übergreifen und teilweise durch narrative Überleitungen verbunden sind. Alle anderen Kompositionen stammen von Brian Wilson, der das Album auch produziert hat. Für die Songtexte sorgte Scott Bennett, der nun schon seit einigen Jahren als gitarristischer Begleiter Brian Wilsons fungiert. Die Americana-Koryphäe Van Dyke Parks hat die gesprochen Zwischentexte geschrieben: Pointierte poetische Reflexionen über Los Angeles und das Lebensgefühl in der "city of angels", die der Suite eine feine nostalgische Patina verleihen.

Wie harmoniebesessen und melodieverliebt Brian Wilson noch immer ist, zeigt dieser Songzyklus auf hinreißende Art und Weise. Während bei "Morning Beat" durchaus ein Beach-Boys-Klassiker wie "Do It Again" Pate gestanden haben könnte, greift er bei "Good Kind Of Love" sogar auf Harmonien seiner alten Rivalen, den Beatles, zurück. "Forever My Surfer Girl" ist ein weiterer, durch wunderschöne Gesangssätze bestechender Wellenbrecher in der nicht enden wollenden Surfer-Saga. Aber Brian Wilson betritt auf seinem neuen Album auch Neuland. "Mexican Girl" etwa ist mit den Gitarren, Trompeten und Kastagnetten schon fast eine Latin-Humoreske, und bei "California Role", einem kleinen Tribut an Hollywood, greift er auf Dixieland-Jazz zurück. "Oxygen To The Brain" hingegen wirkt mit seinen Bläsern, Flöten, Streichern und Chören wie eine Big-Band-Ode, während das autobiographisch gefärbte, bittersüße "Midnight's Another Day" inhaltlich, kompositorisch und produktionstechnisch zweifellos den Höhepunkt dieses stilistisch facettenreichen Albums bildet. Der geradezu rockige Titel "Goin' Home" trägt selbstreflektorische Züge ("At 25 I turned out the light, cause I couldn't handle the glare in my tired eyes, but now I'm back, drawing shades of kind blue skies"). Den krönenden Abschluss bildet "Southern California", ein Song, der noch einmal an die Ursprünge der Beach Boys erinnert und gleichzeitig eine wehmütige Erinnerung an die verstorbenen Brüder Dennis und Carl ist.

Ein Blick zurück: Brian Wilson gründete die Beach Boys gemeinsam mit seinen beiden jüngeren Brüdern Carl und Dennis sowie ihrem Cousin Mike Love und ihrem Schulfreund Al Jardine. Die Idee, Songs übers Surfen zu schreiben, stammte von Dennis, dem einzigen Bandmitglied, das tatsächlich surfen konnte. 1961 erschien mit "Surfin'" die Debütsingle der Band, die zu ihren frühen Einflüssen Chuck Berry, The Four Freshmen und Phil Spector zählte. 1962 unterschrieben sie bei Capitol Records und starteten eine unvergleichliche Hitserie. Die ersten Jahre waren geprägt von unbändiger Produktivität. Allein zwischen 1963 und 1965 veröffentlichten die Beach Boys zehn Alben und landeten ein Dutzend US-Top-Ten-Hits, darunter die Nummer-Eins-Hits "I Get Around" und "Help Me Rhonda". Waren all die frühen Hits wie "Surfer Girl" und "Fun, Fun, Fun", "Barbara Ann" oder "Wendy" reine Lobgesänge auf Sommer, Strand und Mädchen, geprägt von sonnendurchfluteten Gesangsharmonien, hatte das Album "Pet Sounds" schon fast spirituellen Charakter. Zehn Monate lang hatte Brian Wilson gearbeitet an diesem "Jahrhundertwerk", das auch als erstes Konzeptalbum der Pop-Geschichte gilt. Die Beach Boys blieben in wechselnder Besetzung auch ohne Brian Wilson immer aktiv. Im Jahr 2000 wurden sie für ihr Lebenswerk mit einem "Grammy" ausgezeichnet. Brian Wilson selbst wurde 2006 in die "UK Hall Of Fame" aufgenommen und Ende letzten Jahres für seine Verdienste um die amerikanische Kultur in die Riege der mit den "Kennedy Center Honors" Geehrten aufgenommen.

In seiner Autobiographie "Mein kalifornischer Alptraum" hatte Brian Wilson einst nicht nur die schillernde Karriere mit den Beach Boys und seine Akribie als genialischer Studiotüftler Revue passieren lassen, er hatte vor allem auch einen schonungslosen Blick auf die Abgründe seines Lebens geboten, auf seine Depressionen, Manien und Psychosen. Dagegen nimmt sich "That Lucky Old Sun" nun aus wie das weise und weitsichtige Alterswerk eines musikalischen Genies, das mit sich selbst wieder im Reinen ist und dessen späte Schaffenskraft noch einmal bewundernswerte Blüten treibt. Nicht nur für seine Fans bietet diese Reifeleistung nahezu paradiesische Zustände. Zurückgekehrt zu Capitol Records, wo seine fast fünf Dekaden umspannende Karriere begann, hat Brian Wilson nun ein neues Kapitel aufgeschlagen, das den Mythos Kalifornien einmal mehr in künstlerisch neuem Licht erstrahlen lässt. Good Vibrations fürs 21. Jahrhundert.

(Quelle: EMI, 17.07.2008)


FORMAT: CD


Rate this:
  (Ø 2.85)


Diese CD weiterempfehlen
Ihr NameIhre E-Mail
Name EmpfängerE-Mail Empfänger
Ihr Nachricht:
 
Spamschutz: (Summe von 8 + 3 in das Textfeld eintragen.)


TOP RANKS
01Loose Fur
Born Again In The USA

VÖ: 13.03.2006
02Milosh
iii

VÖ: 25.08.2008
03Beady Belle
Belvedere

VÖ: 25.04.2008
04Schreuf, Kristof
Bourgeois With Guitar

VÖ: 16.04.2010
05Shapiro, Paul
Essen

VÖ: 01.08.2008
06Harem Scarem
Hope

VÖ: 04.07.2008
07Thanateros
Liber Lux

VÖ: 03.04.2009
08Schiller
Sehnsucht Live

VÖ: 14.11.2008
09La Ventura
A New Beginning

VÖ: 28.08.2009
10Clues
Clues CD

VÖ: 15.05.2009

CD-WECHSLER

Van Buuren, Armin
A State Of Trance Yearmix 2008


Koppruch, Nils
Den Teufel tun


Piano Magic
Part Monster


Caspian
The Four Trees


Lima, Aline de
Arrebol


Fejd
Storm



© medienprojekt 2017 Impressum  Kontakt