ROCKREPORT
KÜNSTLER SUCHEN


GENRES

STÖBERN


CD-DETAILS IMBéCILE [LIBAUX, OLIVIER]

Libaux, Olivier

Imbécile [Pop]


RELEASE: 20.07.2007


LABEL: Discograph

VERTRIEB: Alive!


Amazon 

Ein als Musical angelegtes Konzeptchanson-Album von Olivier Libaux (Nouvelle Vague), der vier hochkarätige Gäste, die nicht nur in Frankreich einigen Promi-Status genießen, zu einem ganz besonderen Dinner eingeladen hat.

Die Protagonisten sind keine geringeren als der multitalentierte Popstar Philipe Katerine mit seiner Ehefrau Héléna Noguerra (Ex Top Model/ erfolgreiche Sängerin/ Buch- und Theater-Autorin), sowie wie der neue Chansonstar Barbara Carlotti und dem Urgestein des französischen Rock, JP Nataf, geben hier die beiden Paare, die sich als imbéciles outen.


Wer kennt es nicht, das sprichwörtliche Ausrutschen auf der Bananenschale, die einem das Leben in den Weg legt? Zwei befreundete Liebespaare, ein gemeinsames Dinner an einem lauen Sommerabend in einem Haus am Meer. Man kennt sich lange, man ist vertraut und an dem Punkt angelangt, wo die Hüllen fallen, die Masken keinen Sinn mehr haben, man endlich offen miteinander redet und sich eingesteht, dass man doch eigentlich der imbécile ist: ein Narr und nicht selten Opfer der Fallen, die einem das Leben stellt. Schluß mit der Verklärung und dem Selbstbetrug! Schauen wir den Gemeinheiten des Lebens ins Gesicht - und lachen bei einem Glas Pastis herzlich über sie!

So in etwa dürfte sich Olivier Libaux die Szenerie vorgestellt haben, aus der heraus er sein als Musical angelegtes Konzeptchanson-Album imbécile entwickelt hat. Nur, dass es hier nicht um anonyme Figuren aus der Theaterwelt geht, sondern um sehr reale Menschen, die nicht nur in Frankreich einigen Promi-Status genießen. Keine geringeren als der multitalentierte Popstar Philipe Katerine mit seiner Ehefrau (Ex Top Model/ erfolgreiche Sängerin/ Buch- und Theater-Autorin etc.) Héléna Noguerra, sowie wie der neue Chansonstar Barbara Carlotti mit dem Urgestein des französischen Rock, JP Nataf, geben hier die beiden Paare, die sich als imbéciles outen.

So viel sei verraten: das Ergebnis ist das Musterbeispiel einer aufrichtigen und überzeugenden Zusammenarbeit im Sinne der künstlerischen Authentizität. Fangen wir bei Olivier Libaux, dem Erfinder der imbéciles, an: er ist der Autor der 13 Songs dieses Albums, das als Gesamtwerk den Soundtrack des Theaterstücks ergibt, in dem die vier Musiker gleichzeitig die Protagonisten der Handlung sind. Dass man da nicht nur inhaltlich sondern auch musikalisch einiges erwarten darf, liegt bei Oliviers Libauxs Laufbahn wohl auf der Hand: im zarten Alter von sechs Jahren nahm er zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand - und ließ sie seit dem nicht mehr los. Vor fast 20 Jahren rief er zusammen mit Jérôme Roseaux unter dem Bandnamen "Les Objets" die neue Generation des "pop française" ins Leben. Überall dort, wo sich die musikalische Avantgarde Frankreichs abspielt, kommt man seither nicht mehr um ihn herum. Seine Künste als Produzent und Gitarrist stellte Libaux unter anderem an der Seite von Dominique Dalcan, Alex Gopher, Emilie Simon und Carla Bruni - oder eben bei Soloprojekten des Herrn Katerine unter Beweis. Der große Coup gelang ihm dann 2004 zusammen mit Marc Collin als Popduo "Nouvelle Vague", der weltweit hochgeschätzten Coverformation mit eben den Sängerinnen, die heute unter den Namen Camille oder Héléna Noguerra ihre Karriere als Sängerinnen verfolgen.

Dass Olivier Libaux nicht nur ein unglaubliches Händchen für Popproduktionen hat, sondern auch beim guten alten chanson française genau weiß, was er tut, kann man jetzt auf "imbécile" hören. Mit bescheidener Instrumentierung, die sich in den meisten Fällen auf eine gezupfte Gitarrenbegleitung, einen Kontrabaß, minimale Percussion und hier und da mal ein Klavier oder - hélas !!! - auch mal auf das lettische Radiosymphonie-orchester verlässt, überzeugen die Aufnahmen gerade dadurch, dass sie nicht mehr sein wollen (und sollen!) als exzellent eingespielte Chansons. Für das musikalisch-theatralische Projekt hat sich Olivier Libaux einige seiner alten Bekannten und Musikerkollegen ins Boot geholt. Héléna Nouguerra tritt hier als Hélène auf, die sich im Song "Mes belles années" auf die Suche nach ihren "schönsten Jahren" begibt und lapidar-ironisch feststellt, dass sie ihr Leben eigentlich verpaßt hat. Die gleiche humoristische Offenheit begegnet uns im Chanson "Mon verre d'eau", in dem Hélène unumwunden zugibt, im Wasserglas ihres eigenen Lebens zu ertrinken.

Ihr gegenüber sitzt Philippe Katerine alias Fernand. Um die Geschichte dieses so wunderbar durchgeknallten Popstars zu verstehen, müßte man eigentlich zurückgehen bis in seine Jugend, als er in einer Kleinstadt bei Nantes verzweifelt seinen Weg suchte, als Filmvorführer im Kino, als Sprecher im Lokalradio, im Schlachthaus, bei Citroën am Fließband oder aber auch als Gymnastiklehrer im städtischen Gymnasium. Fast durch Zufall und trotz seiner anhaltenden Lebenskrisen ist er in den 90ern dann zu Frankreichs begnadetstem Popmusiker geworden. Auf "imbécile" mimt er im Song "Mon idéal" - nicht weit entfernt von seiner wahren Persönlichkeit - den etwas schrägen und von Selbstzweifeln geplagten Eigenbrödler, der von der "Frau aus Flandern mit den schönen Mandelaugen" aus seinem "Kloster-leben" erlöst wird. Welch ein Zufall, dass das Ex-Mannequin Héléna Noguerra, die portugiesischstämmige Einwanderin aus Belgien, auch im wirklichen Leben Katerines Frau ist....

Bleibt noch das zweite Paar des Abends, an dem die imbéciles so hinreißend offenherzig von ihren Schwächen und Niederlagen erzählen: Barbara Carlotti, im Jahr 2006 die Neuentdeckung der französischen Chansonszene, die schon als "französische Nico" bezeichnet wurde, singt im Song "Les petits succès" in ihrer Rolle der Thérèse von den schnellen Erfolgen im Leben, die verglimmen wie ein Strohfeuer und von deren Höhen man ganz benommen abstürzt in die krude Realität. Und dann ist da noch ihr (fiktiver) Lebensgefährte JP Nataf, eine der geheimnisvollsten, gar verschrobensten Gestalten im Pariser Musikbusiness. Er, der bedingungslose Beatles-Fan, der Ende der 80er Jahre als Sänger von "Les Innocents" eine ganze Bewegung des französischen Rock-Pop begründete, dessen Gitarrenspiel bis heute bei keiner großen Neo-Chanson Produktion fehlen darf und der zuletzt Dominique As Werk "L'horizon" mit aus der Taufe hob.....Auf "imbécile" singt er im Song "Ils sont marrants les gens" in der Rolle des René, wie "lustig" doch die vermeintlichen Freunde sind, die einen in schlechten Zeiten im Stich lassen. Fast düster wirkt da eines der musikalischen Highlights des Albums, das raffiniert durchorchestrierte und wunderschön traurig-liebliche Chanson "Je prends l'air et je prends l'eau", in dem René gesteht, er könne nur glücklich sein, wenn er Luft und Wasser zugleich einatme......

In einem sind sich die zwei Liebespaare auf "imbécile" jedenfalls einig: besser als alles andere ist die "amour à la française". So hat es jedenfalls der Vater des Projekts, Olivier Libaux, getextet - und meint damit seine Rückkehr zum französischen Chanson, nach einem langen Ausflug in die Popmusik à l'anglaise. Dass der Sound dieses Albums rein gar nichts zu wünschen übrigläßt, dass die Chansons ebenso unprätentiös und authentisch daherkommen wie ihre Protagonisten, das haben wir übrigens dem Produzenten "Alf" Briat zu verdanken, der schon anderen (Phoenix, Air) zum großen Erfolg verhalf.

Was die Crême de la Crême der französischen Musikszene hier angerührt hat, schmeckt nach eine guten Schuß Wahnsinn, so wie immer, wenn Katerine verstört ins Mikro summt oder Héléna Nougerra, die scheinbar unnahbare Schauspielerin, Sängerin, Romautorin und Fernsehmoderatorin davon singt, das sie ihre Ängste wie ein Kamel sein Fett im Höcker herumtragen möchte. Imbécile, dieses vieldeutige Wort, kann auch "Schwachsinn" meinen - und in diesem Fall geht es genau darum, im allzu wörtlichen Sinne: den eigenen "Schwächen" einen Sinn geben. Hier wird endlich aufgeräumt mit der Pflicht zur guten Laune in einer Welt, wo ständig alles und jeder funktionieren soll. Für das musikalische Werk "imbécile" dürfte deswegen gelten: ehrlich währt am längsten!

(Quelle: Sven-Erik Stephan, Beatsinternational, 2.7.2007)


FORMAT: CD


Rate this:
  (Ø 2.93)


Diese CD weiterempfehlen
Ihr NameIhre E-Mail
Name EmpfängerE-Mail Empfänger
Ihr Nachricht:
 
Spamschutz: (Summe von 9 + 2 in das Textfeld eintragen.)


TOP RANKS

CD-WECHSLER

Panic Channel
The Last (Special European Edition)


Madison Violet
Caravan


Everlaunch
Suburban Grace


Tarkan
Metamorfoz


My Baby Wants To Eat Your Pussy
Ignorance & Vision


Watermelon Slim & The Workers
No paid holidays



© medienprojekt 2019 Impressum  Kontakt