Die Medien können sich irren, aber nicht die breite Ăffentlichkeit. Mit mehr als 350.000 verkauften Exemplaren ihres ersten Studioalbums âLâEcole Des Points Vitauxâ (Die Schule des Wesentlichen) haben Sexion DâAssaut bewiesen, dass sie den französischen Rap der 2010er Jahre verkörpern â und dass trotz aller Kontroversen, die in den Presseberichten ĂŒber das talentierte Pariser Kollektiv einen ebenso hohen Stellenwert hatten wie die Musik selbst. Einige Veröffentlichungen â aber zum GlĂŒck nicht alle â wollten sogar Parallelen zu âArthur und den Minimoysâ sehen. Aber lassen wir das...
Die DVD enthĂ€lt Videos zu den 20 neuen Songs auf dem Album. Einige wurden von dem Team gefilmt, das auch die Dokumentation âHype Means Nothingâ gemacht haben; andere sind im StraĂenclip-Format mit Handkameras gedreht. Die Dokumentation ist sehr umfassend. âWir haben die Dinge betrachtet, ĂŒber die Menschen nachdenken, die Dinge, zu denen stĂ€ndig Fragen auftretenâ. Das Album nimmt auch noch einmal die Kontroversen unter die Lupe, die die Vergangenheit der Gruppe geprĂ€gt haben. Lefa: âWir erklĂ€ren, wie wir Dinge innerhalb des Kollektivs betrachtet haben. Es gab viel Gerede ĂŒber die Kontroverse, und wenig darĂŒber, was wir danach getan haben, um das alles wieder gut zu machen. Wir waren so sehr in die ganzen Diskussionen verwickelt und am Schluss so von den Medien belagert, dass wir uns schlieĂlich darauf besannen, dass wir in erster Linie KĂŒnstler sind und uns auf unsere Kunst konzentrieren sollten.â
Und die Kunst ist die groĂe StĂ€rke der Sexion: 20 unwiderstehliche neue StĂŒcke, darunter potenzielle Hits wie âParis Va Bienâ (Paris geht es gut), âBrehâ oder âĂ Bout De Souffleâ (Atemlos), ein RĂŒckblick auf den Medienansturm von 2010. âWir waren so verflochten in die Kontroverse und Leute, die keine Ahnung hatten, was ĂŒberhaupt passiert war, erteilten uns RatschlĂ€ge. Es gab so viel Gerede und es kursierten so viele falsche Behauptungen, es war wirklich frustrierend. Darum bringt die Sexion so viele dĂŒstere Nummern und dann wieder andere, die sehr lebhaft sind, es kommt ganz auf die Stimmung an.â
In den âChroniques Du 75â (den Chroniken von Paris, dem 75. Departement Frankreichs) folgt Pointe auf Pointe, gelegentlich im Solo-Modus (wie bei âRa-Fallâ) und die Jungs haben SpaĂ, auch wenn sie immer darauf bedacht sind, den Tiefgang in der Stimmung und in den Texten beizubehalten. âVu La Haine Que JâAiâ (Bei all der Wut, die ich habe) ist ein erstklassiges Beispiel dafĂŒr: Die elliptischen Reime sagen eine Menge ĂŒber die textliche IntensitĂ€t aus, die diese bemerkenswerte Gruppe hervorbringen kann. âErfolg ist nicht beliebt, Armut ist viel anziehenderâ, sagt Adams Diallo, âbesonders in Frankreich. So sind die Menschen. Wenn du aus armen VerhĂ€ltnissen stammst, siehst du es nicht gerne, wenn die Leute Erfolg haben, die vorher in der gleichen ScheiĂe wie du steckten.â
âIch kann nicht wie MoliĂšre schreibenâ, bemerkt Adams Diallo in âA.D.â. âDas liegt daran, dass ich schlecht in Französisch bin. Dazu gab es Kommentare im Internet, aber das heiĂt nicht, dass ich nichts zu sagen hĂ€tte oder dass ich keine groĂartigen Pointen bringen könnte.â Und genau das stellt das StĂŒck unter Beweis â mit dominierenden KlavierklĂ€ngen und beeindruckenden Texten.
âCramponnez-vousâ (Haltet euch fest) nimmt eine raue, gewalttĂ€tige Haltung an: âWas dich nicht umbringt, macht dich stĂ€rker/Wir leben noch, also bist du tot.â Eine Botschaft an neidische Rapper und an all die Leute, die diese Gruppe von Pariser MCs unterschĂ€tzen, die ein Talent dafĂŒr haben, die brutalsten Texte mit den eingĂ€ngigsten Melodien zu kombinieren â wie zum Beispiel mit dem musikalischen Thema in âParis Va Bienâ, das aus Ini Kamozes groĂartigem Reggae-Klassiker âHere Comes The Hotstepperâ stammt. âBoyzâN The Hoodâ â in Moll gehalten und mit einem Text, der Anspielungen auf âBillie Jeanâ und auf âbrennenden Betonâ enthĂ€lt â holt zwei der Sexion-Mitglieder ins Rampenlicht, die man ansonsten viel zu selten sieht oder hört: die zwei subtilen Textakrobaten J.R. und Doumams.