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CD-DETAILS BELOVED ENEMY [JESUS ON EXTASY]

Jesus On Extasy

Beloved Enemy [Rock / Alternative]


RELEASE: 02.05.2008


LABEL: Drakkar

VERTRIEB: SonyBMG

WEBSITE: www.jesusonextasy.com

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Post-Industrielle Revolutionspläne

Phasen des Niedergangs sind oft ein besonders guter Nährboden für die Kunst. Besonders augenfällig wird dies in der Zeit des Fin de Siècle, wo Frivolität und Lebenshunger auf Regression und Endzeitstimmung prallen und zur Ausprägung einer eigenen Ästhetik führen. Heute, vergleichsweise kurz nach der Jahrtausendwende, stehen die Zeichen in vielen Bereichen wieder auf Veränderung: Wankende Sozialsysteme, eine partiell aus den Fugen geratende Gesellschaft, Bildungsnotstand und Krisen in der Kulturindustrie geben Anlass zum Pessimismus. Andererseits treibt das Klima des Umbruchs auch heute wieder künstlerische Blüten. JESUS ON EXTASY sind eine von ihnen. Wenn es dafür noch eines Beweises bedarf, so haben ihn die fünf Musiker und Musikerinnen mit ihrem neuen Werk „Beloved Enemy“ vorgelegt.

Als der Sänger und Pianist Dorian Deveraux und Gitarrist Chai die Band 2005 in Bochum gründeten, hatten sie sich nicht weniger auf die Fahnen geschrieben, als die Revolutionierung eines Genres, das sich verbraucht hatte. Industrial, ursprünglich die Musik des Maschinenzeitalters war ihrer Ansicht nach mit dem Ende der Schwerindustrie Makulatur. Die Zeit war reif für eine Musik, die den gerade im Ruhrgebiet spürbaren Verfall mit euphorisierenden Elementen verknüpfen sollte: für den von JESUS ON EXTASY dargereichten hedonistischen Mix aus Post-Industrial- und Glam-Rock.

Einstand nach Maß

Einen ersten Vorgeschmack, wie sich das anhören könnte, bot die in Eigenregie entstandene EP „Assassinate Us“. Geraume Zeit später erhielten JESUS ON EXTASY die Chance, sich spontan ins Billing des Bochum Total-Festivals einzuklinken und vor 6000 Menschen auf der Bühne zu stehen. Eine Chance, die die Band nicht ungenutzt ließ. Das mitreißende Gastspiel ebnete den Weg zur Veröffentlichung des fulminanten Debüts „Holy Beauty“, einer facettenreichen musikalischen Suche nach der hinter den Dingen liegenden Schönheit.

Zwar ging Dorians Traum, mit Musikern wie Trent Reznor, Billy Corgan, Brian Molko oder Marilyn Manson bei einem Glas Wein über Chopin, Literatur und Modefragen zu plaudern noch nicht in Erfüllung, mit gleichermaßen eingängigen und eigenständigen Songs wie „Assassinate Me“ oder dem gelungenen Chameleons-Cover „2nd Skin“ gelang es JESUS ON EXTASY jedoch die Tanzflächen im Sturm zu erobern. Das durch Gitarristin Alicia Vayne (ehemals Pain), Keyboarderin Ophelia Dax (die studierte Pianistin war zuvor mit Rya unterwegs) und Drummer BJ komplettierte Line-Up machte sich zudem erfolgreich auf den Weg durch die Live-Clubs der Republik. Eine gleichermaßen energetische wie optisch ansprechende Performance sorgte für einen weiteren Popularitätsschub. Die Frage war nur: würden Dorian & Co dieses Niveau halten können?

Anziehende Gegensätze

„Beloved Enemy", der zweite Longplayer des Quintetts gibt eine eindeutige Antwort: Ja! Das Album stellt eine konsequente Weiterentwicklung der bisherigen Ansätze dar, enthält gleichzeitig aber auch eine Menge neuer Ideen. „Beloved Enemy“ ist eine Wiedergeburt im veränderten Klanggewand. Die musikalische Bandbreite hat sich zwischen satten Rockgitarren („Change The World“), lärmenden Wutausbrüchen („Lies“), nervösen Sequenzerläufen („You Don’t Know Anything“) und melancholischen Pianotupfern („Sometimes“) nochmals deutlich erweitert, wobei diese Elemente nie isoliert auftreten, sondern zusammenfinden, sich verbinden oder kontrastieren und so einen vielfältigen Klangkosmos bilden, der sich noch weniger um Konventionen schert, als dies auf „Holy Beauty“ der Fall war. Nicht die stilistische Einordnung zählt, sondern der Song per se.

Nicht nur musikalisch sind JESUS ON EXTASY eine Band der Gegensätze. Dorian etwa genoss eine klassische Klavierausbildung und studierte Literaturwissenschaft, ehe er sich entschloss, sich auf das Musikgeschäft zu konzentrieren. Er liebt das Theater, interessiert sich für bildende Kunst, feierte gleichzeitig aber immer schon in den Clubs und trieb sich mit Vorliebe in den Gefilden der so genannten Subkultur herum. Entsprechend groß ist der Fundus an Eindrücken, die er in seinen Texten verarbeiten kann und die Erfahrungen des vergangenen Jahres haben ihn nochmals erweitert.

Vorwürfe, die Band sei gecastet, Überreaktionen von Zeitgenossen, die den kritisch gedachten Namen JESUS ON EXTASY als platte blasphemische Provokation missverstanden, Titelgeschichten in Musikmagazinen und die Extreme des Touralltags. Das alles trug mit dazu bei, dass die verspielten Liebesgeschichten und Selbstbespiegelungen des Debüts auf „Beloved Enemy“ einer Auseinandersetzung mit den Abgründen des menschlichen Daseins gewichen sind. „Dead Presidents“ etwa kreist um die Bereitschaft, sich für eine Hand voll Dollar zu verkaufen. Ihre Pop-Affinität hat die Band dessen ungeachtet auch auf „Beloved Enemy“ beibehalten, ja in Songs wie „Stuck“ stärker als bisher ausgelebt.

Zukunftsmusik

Glitzernde Verzweiflung? Tanzbare Seitenhiebe auf die Gesellschaft? JESUS ON EXTASY führen scheinbar Widersprüchliches schlüssig zusammen und servieren das spannungsreiche Ergebnis mit einer reizvollen Portion Glamour als Sahnehäubchen. Diese seltene Mischung lässt den Gedanken an das internationale Parkett durchaus plausibel erscheinen. Mit einem starken Album wie „Beloved Enemy“ im Rücken dürfte diese Band jedenfalls auch 2008 nicht zu stoppen sein. Die post-industrielle Musikrevolution ist in vollem Gange…

Jesus on Extasy are:
Dorian Deveraux: Vocal X-tasy, Synths, Samples
Chai Deveraux: 6- String X-tasy, Backing Vox, Synths, Programming
Alicia Vayne: sinfully attractive guitar X-tasy
Ophelia Dax: synthetic X-tasy
BJ: ultra-heavy beatz

(Quelle: Alexandra Doerrie, Another Dimension, 14.3.2008)

Live 2009:

20.03.09 Köln - Essigfabrik
01.04.09 Frankfurt - Nachtleben
02.04.09 Nürnberg - Hirsch
03.04.09 München - Backstage/Club
04.04.09 Weinheim - Cafe Central
05.04.09 Ludwigsburg - Rockfabrik/Club 2
13.04.09 Coesfeld – Fabrik / Gothika Festival
22.04.09 Bremen - Lagerhaus
23.04.09 Wuppertal / Barmen - LCB
12.06.09 Dragendorf - Dragensdorf Rockt
19.07.09 Köln – Tanzbrunnen / Amphi Festival


FORMAT: CD (ltd. Edition)


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